Die folgende kleine Lehrunterweisung fand ich in einer Zeitschrift:
Während Sie mehr oder weniger tief in den Dschungel der drahtlosen Nachrichtentechnik eindrangen, haben auch Sie sicher oft geschmunzelt angesichts der bilderreichen Sprache der „alten Hasen“ vom Fach. Womit nicht etwa jene würzigen Kraftworte gemeint sind, die das Berühren eines heißen Lötkolbens am falschen Ende auch dem Neuling entlockt. ...
Gemeint ist jene echte Sprache des Technikers, die an keiner Lehranstalt gelehrt, durch keine Duden reglementiert, aber dennoch von Zehntausenden in allen deutschsprachigen Ländern überliefert, verstanden und gesprochen wird.
Saßen Sie nicht auch schon einmal vor einer Kiste, während unangenehmerweise eine seltene Flasche schlafen ging, d.h. starb. Berüchtigt sind besonders wilde Schwingungen, weil dabei unter Umständen eine Pulle sich verabschiedete (deshalb: lieber langsam hochfahren!). Findet der Anfänger die Ursache für ein Schwingen nicht, so ist er geneigt, das Gitter einfach zu verklatschen (kalt zu machen) oder die zugestopfte Stufe sonstwie hinzubügeln. Das Schwierigste (von allen Stiften anfangs mit Ehrfurcht bestaunt) ist aber das richtige Ab- bzw. Durchstimmen eines Empfängers. Es ist sagenhaft, was da alles falsch gemacht werden kann. Was z.B. tun, wenn der Oszillator wegläuft? Mit dem Trimmen des Gerätes ist es noch lange nicht getan! Und einfach mit dem Messsender anpusten - der elegante Mann verwendet einen Wobbler; da kann er auf dem Schirm wenigstens sehen, wo er gerade liegt. Und nicht vergessen: Immer alle Geräte an einem Punkt nullen, sonst bekommt man günstigstenfalls ein Ding gescheuert, oder - was schlimmer ist - ein seltenes Bauteil raucht ab bzw. steigt aus, d.h. geht in die Knie!
Auch sollte man aufpassen, dass beim Abgleich der Messplatz nicht strahlt, nichts rauspustet, sonst kann es Ärger mit der Post geben. Und ob Sie's glauben oder nicht: Es soll angehende Fachleute geben, die nicht klar erklären können, was ein heißes oder ein kaltes Ende bei einem ZF-Trafo oder einem Pot ist. Halbstarke sagen übrigens zum Pot „Poti“, und das ist beinahe schon peinlich.
Und nun sagen Sie bloß noch, die Fachsprache des Technikers sei nicht eindeutig verständlich.
 

G. Nernst

Aus: „Radio und Fernsehen“ 12 (1963) H. 14

 

 

 

 

 

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