Wer kennt nicht die biblische Geschichte von der Stadt Jericho, die durch ein paar Leute mittels einiger Tröten zerstört worden sein soll. Einen ähnlichen Gedanken hatten auch Hitlers Strategen. Sie entwickelten gegen Kriegsende einen gewaltigen Lautsprecher, mit dessen Schalldruck ganze Städte zerstört werden sollten. Man nannte diese „Wunderwaffe“ die „Posaune von Marseille“, weil das Gerät erstmals zur Zerstörung der Stadt Marseille verwendet werden sollte. Zum Glück für die Franzosen erbeuteten die Briten diese Waffe, bevor sie eingesetzt werden konnte, und zerstörten sie, weil sie damit nichts anzufangen wußten. Die „Posaune“ bestand aus einem sehr großen Elektrodynamischen Lautsprecher, an dessen Schallöffnung ein gewaltiger Trichter angebaut war. Dieser Trichter hatte einen quadratischen Querschnitt, die Schallaustrittsöffnung betrug etwa 4x4 m. Das ganze Gebilde glich einem gigantischen Hornlautsprecher. Der Schalldruck soll weit über 400 dB betragen haben! Das ganze war auf einem Plattenwagen montiert, um die „Posaune“ transportabel zu machen. Das Gefährt war derartig schwer, daß ein Panzer benötigt wurde, um den Wagen zu ziehen. Allerdings war ein Transport nur auf Straßen möglich, für Geländefahrten war die Lafette ungeeignet. Das Wirkprinzip der „Posaune“ war ganz simpel. Über einen Kraftverstärker wurden dem Lautsprecher entweder ein Sinuston oder Musik zugeführt. Der Trichter verstärkte den Schall derartig, daß der Schalldruck ausreichte, um Mauern zum Einsturz zu bringen. Die Briten fanden die „Posaune“ einsatzbereit etwa 2 km vor Marseille. Eine halbe Stunde später, und die „Posaune von Marseille“ wäre noch zum Einsatz gekommen. Die erhoffte Wirkung muß demnach gewaltig gewesen sein. Leider weiß man nicht, ob sie jemals das gewünschte Ergebnis erzielt hätte. Der Modellversuch funktionierte jedenfalls fabelhaft. Leider ist nicht bekannt, wie die „Posaune“ genau aussah. Da sie als „Wunderwaffe“ galt, wurde sie bis zuletzt streng geheim gehalten, dadurch sind auch keinerlei Aufzeichnungen erhalten geblieben. Ein britischer Veteran hat sie nach dem Gedächtnis aufgezeichnet. Offenbar hat die Geheimhaltung im „dritten Reich“ manchmal sehr gut funktioniert. Das Konzept ist gegen Ende der fünfziger Jahre wieder aufgegriffen worden, es wurde bei einigen (westdeutschen) Radioherstellern als sogenannter „Schallkompressor“ vermarktet. Auch hat das Grundprinzip möglicherweise zur Entwicklung des Druckkammerlautsprechers geführt.

so ähnlich muss die Posaune ausgesehen haben

In der Literatur [1] fand ich dazu folgendes:

... Allerdings kommt hierfür, namentlich wenn es darauf ankommt sehr große Schallenergien zu erzeugen (für Massenversammlungen, Säle, Wahlrechtsreden, Sportliche Veranstaltungen usw.) noch eine andere Ausführungsform des dynamischen Lautsprechers, nämlich der Blatthaller (Siemens & Halske) mehr in Betracht. ... Mit einer derartigen Lautwiedergabeanordnung können sehr große Leistungen abgestrahlt werden.

Neuerdings ist diese Lautsprechertype von Siemens & Halske (H. Neumann) in Form des „Gigant- Blatthallers“ ausgebaut worden, bei welchem eine aus dünnem Aluminiumblech geriffelte Großmembran verwendet wird, deren Rand starr eingespannt ist und von einem sehr kräftigen Ankersystem in Schwingungen versetzt wird. Die der Dynamometerspule zugeführte Stromstärke beträgt etwa 1000 Amp. ... infolgedessen ist die abgestrahlte Schallenergie außerordentlich groß und kann bei einem für diese Type vorauszusetzenden Wirkungsgrad von 2 % mit etwa 200 Watt angenommen werden. Verzerrungen bei Sprach- oder Musikwiedergabe sind verhältnismäßig gering, so daß in einem Abstand von etwa 5 km und selbst über Industriegelände hinweg jede Silbe verständlich bleibt. ... Ähnlich große Schallabstrahlungsleistungen können übrigens auch mit dem im Bild wiedergegebenen Tauchspulsystem ... erzielt werden.

Bildunterschrift: Große Expotentialtrichter mit langem, mittleren Trichterweg ermöglichen auch in Kombination mit dem dynamischen Lautsprecher nach dem Tauchspulenprinzip die Erzielung sehr großer Lautstärken.

Literatur:

[1] Kompendium der Funktechnik, Ein Funklexikon von Dr. Eugen Nesper mit einem Geleitwort von Rundfunk-Kommissar Dr. H.c. Bredow, Staatssekretär. Union deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin , undatiert (1931)

 

 

 

 

 

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