Und hier eine kleine Geschichte, die ich vor Jahren in einer Zeitschrift fand. Viel Vergnügen beim lesen!

Begeisterte Amateure überschätzen gelegentlich ihre Möglichkeiten und unterschätzen gleichzeitig den Aufwand, den die Industrie bei modernen Erzeugnissen treiben muss. Dem Bearbeiter von Leserzuschriften fällt es in Ausnahmefällen schwer, ganz sachlich zu bleiben, z. B. wenn er eine Postkarte erhält: „Senden Sie mir bitte die Bauanleitung für ein Radargerät, aber eins mit billigen Transistoren.“ Ähnlich erging es einem Ingenieur der BASF, die uns nachstehenden todernst/ironischen Briefwechsel überließ.

Frage: Ich bin aktiver Tonband-Amateur mit einem großen Tonbandverbrauch. Tonbänder haben leider den Nachteil, dass man sie kaufen muss. Gibt es kein Verfahren, sich die eigenen Tonbänder selbst herzustellen?

P. S. in H.

Antwort: Doch, das gibt es und dafür hier eine Anleitung. Benötigte Rohstoffe: 300 bis 400 g Eisenvitriol (Eisensulfat), 75 g Ammoniumoxalat, 2 ccm Schwefelsäure, 100 ccm Azeton, 25 g Zelluloselack und eine Rolle Papier, 60 mm breit und 40 m lang (wie sie für Rechenmaschinen verwendet wird). Das nachfolgend beschriebene Verfahren baut darauf auf, dass organische Eisenverbindungen (Karbonate, Oxalate, Zitrate) beim Erhitzen ein magnetisierbares Eisenoxid ergeben. Zuerst löst man das Eisenvitriol in einem Liter Wasser auf, dem man vorher die Schwefelsäure hinzugefügt hat. Die Schwefelsäure muss dabei vorsichtig in das Wasser gegossen werden, auf keinen Fall darf das umgekehrt geschehen! Die so erhaltene Lösung gießt man so oft durch einen Filter, bis sie absolut klar ist. Dann fügt man ihr das - ebenfalls in Wasser gelöste - Ammoniumoxalat hinzu. Und zwar in einer solchen Menge, bis ein gelbes Eisenoxalat ausfällt. Das ganze wird erneut filtriert, und man erhält auf diese Weise etwa 100 g Eisenoxalat, das mit destilliertem Wasser auszuwaschen ist. Dieses Eisenoxalat wird anschließend getrocknet, danach in eine Eisenschale geschüttet und erhitzt. Diese Erhitzung muss sehr vorsichtig geschehen, da eine zu starke Erhitzung die ganze Mühe fruchtlos machen kann. Während dieses Vorgangs muss man im Raum für einen kräftigen Durchzug sorgen, um keine Kohlenoxidvergiftung zu bekommen. Wenn die dann zurückbleibende Masse abgekühlt ist, hat man ein braunes Pulver, das Eisenoxid. Dieses verrührt man mit etwa 25 g Zelluloselack und verdünnt es mit Azeton, bis man die Konsistenz einer gewöhnlichen Lackfarbe erreicht hat. Um diese Dispersion jedoch völlig homogen zu machen, muss man sie in einer Kugelmühle wenigstens einige Tage mahlen. Dasselbe kann man auch mit einem kräftigen Schütteln erreichen. Das geschieht am besten mit einem Rüttelwerk, sofern man ein solches zufällig zur Verfügung hat. Die schließlich fertige Dispersion streicht man dann mit einem feinen Pinsel auf die Papierrolle. Das muss aber sehr zügig geschehen, denn die Emulsion trocknet darauf in etwa einer halben Minute. Danach zerschneidet man mit einer scharfen Schere die Papierrolle der Länge nach in 9 genau 6,25 mm breite Streifen (nachdem man vorher links und rechts je 3 mm Rand abgeschnitten hat). Die Streifen werden aneinander geklebt, und man hat ein 360 m langes Tonband - viel Vergnügen. Chemisch und technisch gesehen funktioniert dieses Verfahren durchaus. Nur darf man an die Tonqualität eines solchen Bandes keine Ansprüche stellen, auch nicht die geringsten! Die 360 m des auf diese Weise selbst hergestellten Tonbandes bieten bei 9,5 cm/s Bandgeschwindigkeit eine Stunde Spielzeit pro Spur. Wenigstens - denn es können mit den Unterbrechungen auch zwei Stunden und mehr werden, wenn man das Papierband des Öfteren zusammenkleben muss. Besser wäre es, anstelle des Papiers eine Kunststoff- Folie zu nehmen. Zu deren Herstellung allerdings müsste man sich eine große Präzisions-Kalanderanlage kaufen, die kaum unter 500.000 DM zu haben ist und die sich auch schlecht in der Wohnung eines Tonbandamateurs unterbringen lässt. Ob es also nicht vielleicht doch empfehlenswerter wäre, sich seine Tonbänder fix und fertig zu kaufen?

Aus: Funkschau 1969, Heft 2

 

 

 

 

 

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